Werdegang

  • Wenn ich heute über alles nachdenke, dann komme ich immer zu einem ganz einfachen Schluss: Ich hatte nie eine andere Chance als Fußballer zu werden. Der Sport wurde bei uns zuhause in Greifswald an der Ostsee immer großgeschrieben. Meine Mutter Birgit war DDR-Meisterin im Badminton, mein Vater Roland zuerst erfolgreicher Ringer dann kam er mit 21 zum Fußball.

    Was blieb mir da übrig?

    Der Fußball bestimmte mein Leben von Anfang an. Als ich mit sieben Jahren beim Greifswalder SC startete, hieß mein Trainer Roland Kroos. Als ich fünf Jahre später zu Hansa Rostock in die Jugend wechselte, wechselte er mit: Die Familie Kroos gab's fortan nur noch im Paket, mein Bruder Felix startete genauso durch und spielt heute beim SV Werder Bremen.

    Die vier Jahre in Rostock zeichneten meinen Weg vor. Schnell kristallisierte sich heraus, dass ich als Offensivspieler das größte Talent hatte. Zwar zog ich mich gerne zurück ins Mittelfeld, doch von da aus schlich ich mich gerne nach vorne, entwickelte Tordrang und ein Auge für die Mitspieler. In Rostock feierte ich auch meinen ersten großen Mannschaftserfolg: 2005 erreichten wir mit der B-Jugend von Hansa das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, das wir leider mit 0:2 gegen Hertha BSC Berlin verloren.

    Auf zum großen FC Bayern

    Ein Jahr später wechselte ich nach München und die Karriere nahm ihren Lauf. Das war eine Umstellung von Rostock nach München, zu einem der größten Vereine Europas, doch ich lebte mich gut ein.

    Mit der U19 der Bayern erreichte ich erneut das Finale, diesmal um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft und wieder verlor ich: Bayer Leverkusen bezwang uns nach einem wirklich großen Spiel 2:1 in der Verlängerung. Sieht man sich heute die Aufstellungen dieser Partie an, findet man dort 16 Spieler von beiden Teams, die den Sprung in den bezahlten Fußball geschafft haben, Thomas Müller, Holger Badstuber und ich waren sogar 2010 WM-Teilnehmer in Südafrika.

    Bei den Bayern ging es unter Hermann Gerland und Ottmar Hitzfeld schnell bergauf. Sie bauten mich behutsam über Training und Freundschaftsspiele für den Profikader auf und am 26. September 2007 war es endlich so weit: Als jüngster Bayern-Spieler aller Zeiten feierte ich mit 17 Jahren und 265 Tagen mein Debüt in der Bundesliga. Wahnsinn - ich hatte es gepackt!

    Es ist eine Sache, als großes Talent zu gelten und eine andere, sich durchzusetzen. Das mit dem Talent deutete sich früh an, schon mit 15 Jahren kickte ich in der U17-Nationalmannschaft des DFB. Für dieses Team absolvierte ich 34 Spiele und erzielte dabei 17 Tore. Meine schönste Zeit erlebte ich dabei weit weg von daheim: Bei der U-17-WM in Südkorea wurden wir Dritter, ich war Kapitän des Teams und wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt. Es war ein unbeschreiblicher Augenblick, als die deutsche Fußball-Legende Franz Beckenbauer mir den "Goldenen Ball" überreichte, den "Bronzenen Schuh" als drittbester Torschütze bekam ich auch noch.

    Im gleichen Jahr absolvierte ich auch meine ersten Europapokal-Spiele, erlebte dann aber in der kommenden Saison zum ersten Mal wie es ist, wenn es mal nicht bergauf geht. Jürgen Klinsmann hatte Hitzfeld in München als Trainer abgelöst, der hatte andere Vorstellungen - und in denen kam Toni Kroos nicht so oft vor.

    Durch Spielpraxis in Leverkusen zur WM nach Südafrika

    Was tun? Manchmal ist ein Schritt weg ja auch einer nach vorne. Die Bayern kamen meinem Wunsch nach Spielpraxis nach und liehen mich im Januar 2009 für eineinhalb Jahre zu Bayer Leverkusen aus. Was unter Bruno Labbadia ziemlich verhalten begann, wurde unter Jupp Heynckes ab Sommer 2009 zu einer Erfolgsstory: Ich avancierte zum Stammspieler bei Bayer, erzielte zehn Saisontore, bereitete elf vor und sorgte so ganz nebenbei noch ein für ein Novum: Nachdem ich schon im Dezember 2009 zum "Fußballer des Monats" gewählt worden war, war ich am 17., 18. und 19. Spieltag der Saison "Mann des Tages" beim kicker-sportmagazin - das hat es in der gesamten Geschichte der Bundesliga noch nie und seitdem nicht wieder gegeben! Auch "Fußballer des Monats" wurde ich im Januar 2010 erneut.

    Die Folge meiner guten Verfassung, war, dass die Bayern meine Rückkehr an (mittlerweile habe ich meinem Vertrag bis 2015 verlängert) und der Bundestrainer wurde auf mich aufmerksam. Am 3. März 2010 absolvierte ich nach 49 Einsätzen in verschiedenen Jugend-Nationalmannschaften mein erstes Länderspiel in der "richtigen" Nationalelf. Zum Einstand gab es zwar ein 0:1 gegen Argentinien, aber zwei Monate später war ich am Ziel meiner Träume: als jüngsten Spieler überhaupt nominierte mich der Bundestrainer für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, wo ich in vier Spielen zum Einsatz kam und mit einer tollen Mannschaft schließlich Patz drei holte.

    Wenn ich an diese Momente in Afrika denke, dann kriege ich heute noch eine Gänsehaut.

    21 Jahre bin ich jetzt jung, es ist viel passiert, seit ich mit meinem Bruder Felix in Greifswald gegen die Kugel getreten habe. Der sportliche Ehrgeiz und das Talent liegt in der Familie. Wir hatten halt nie eine andere Chance und haben alles dafür gegeben, Fußballer zu werden. Gott sei Dank!